Digitale Teilhabe: Mit Code die Welt verbessern

2016-06-13 09:00
von Gastautor
Alle Fotos: Sandra Schink für Jugend hackt e.V. – CC-BY 4.0

14.06.2016 - Jugendliche sind Teil unserer Gesellschaft und sollen diese aktiv mitgestalten. Sie brauchen die Fähigkeit und das nötige Selbstvertrauen, um sich auch im Digitalen als mündige Mitglieder aktiv mit einzubringen. Auch das ist digitale Teilhabe.

 

Die im April veröffentlichte Sinus-Studie löste in den digitalen Netzwerken eine Welle der Empörung aus. Die Jugendlichen seien zu angepasst, hieß es da. Ein weniger beachteter Aspekt der Studie waren digitale Medien und digitales Lernen. Die Zusammenfassung der Studie sagt, dass die Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren nicht "online gehen", sondern im Internet leben. Digitale Teilhabe spielt für diese Altersgruppe also eine besondere Rolle: „Digitale Teilhabe ist dabei immer mehr Voraussetzung für soziale Teilhabe in der Peergroup.“ heißt es in der Studie. Die Forschenden beziehen digitale Teilhabe auf das Gestalten von Beziehungen. Die Jugendlichen pflegen Kontakte zu Freunden und Familie über digitale Kommunikationswege.

Digitale Teilhabe ist jedoch weit mehr als Kommunikation. Es bedeutet auch die Gesellschaft mitzugestalten. Umso schwerwiegender wiegt da der Befund der Studie, dass die Jugendlichen nicht das Gefühl haben, Einfluss auf die digitale Zukunft nehmen zu können. Ein Gefühl, dass nicht zu einer demokratisch organisierten Gesellschaft passt. Das Förderprogramm Jugend hackt setzt genau hier an und unterstützt programmierbegeisterte Jugendliche auf ihrem Weg zur digitalen Teilhabe. 

 

Mit Code die Welt verbessern – Jugendliche haben Einfluss

Durch das außerschulische Förderprogramm „Jugend hackt“ lernen Jugendliche zwischen 12 und18 Jahren, dass sie nicht nur ein Teil der Gesellschaft sind, sondern diese auch aktiv gestalten können und sollen. Bei „Jugend hackt“ entwickeln die Teilnehmenden Visualisierungen, Apps und Hardwareprojekte unter dem Motto „Mit Code die Welt verbessern“.

Das gemeinnützige Programm „Jugend hackt“ organisiert seit 2013 Hackathons für Jugendliche aus ganz Deutschland. Sie treffen sich jeweils ein Wochenende und entwickeln mit der Unterstützung von ehrenamtlichen Mentorinnen und Mentoren Hard- und Softwareprojekte, die die Gesellschaft besser machen sollen. Als Grundlage dienen dabei häufig offene Daten und Open Source Programme.

Seit 2015 gibt es zudem vier Regionalevents. Am vergangenen Wochenende hat Jugend hackt Nord zum zweiten Mal den Norden gehackt. Unter dem Motto „Daten, Räume, Köpfe öffnen“ sind über 70 Jugendliche im Betahaus zusammengekommen. Gemeinsam haben sie an zwei Tagen fantastische Projekte entwickelt. Im Rahmen einer öffentlichen Präsentation haben die Teilnehmenden ihre Projekte vorgestellt. Eine Jury hat in fünf Kategorien die besten Projekte gewürdigt. So hat das Projekt Worldation den Peis in der Kategorie „Mit Code die Welt verbessern“ gewonnen. Die Idee des Teams ist es, das Spenden weltweit einfacher zu gestalten. Ein anderes Team hat SMIKE entwickelt. Ein Projekt, dass beim Fahrradfahren den Rhythmus von Musik der Trittgeschwindigkeit anpasst. Die Jury hat dafür den Preis in der Kategorie „AHA-Moment“ vergeben. In der Kategorie „Offene Daten, Offene Räume, Offene Köpfe“ haben vier Teams gewonnen, die miteinander gearbeitet haben. Gemeinsam haben sie ein umfassendes Wecksystem geschaffen, dass die Weckzeit äußeren Bedingungen wie Wetter, Verkehr und Stundenausfall anpasst. 

 

Über digitale Teilhabe zur digitalen Mündigkeit

Bei „Jugend hackt“ entwickeln die Jugendlichen Ideen und setzen diese gemeinsam mit anderen um. Gerade technisch versierte Jugendliche stehen mit ihrem Interesse häufig alleine da. Bei „Jugend hackt“ haben sie die Möglichkeit sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen und auszutauschen. Sie sind Teil einer Gemeinschaft und erfahren, dass sie in und mit dieser eine Stimme haben. Sie erleben, dass sie Ideen auch umsetzen können, erfahren durch die öffentliche Präsentation am Ende Bestätigung und Lob für diese Ideen und spüren damit, dass sie wirklich etwas bewirken können. Durch Lightning-Talks bekommen die Jugendlichen zusätzliche Inputs zu Themen wie Hacker-Ethik, Virtual Reality oder Datenüberwachung. Durch die positiven Erfahrungen und den informativen Input fördert „Jugend hackt“ digitale Teilhabe und Gestaltung und dadurch die digitale Mündigkeit der Jugendlichen. 

Alle entstandenen Projekte sind bei Hackdash veröffentlicht und können dort bestaunt werden.

 


Foto: Bennet Lohmann

Birte Stark / Jugend hackt Nord

Birte Stark ist Teil des Organisationsteams von Jugend hackt Nord. Sie studiert Erziehungs- und Bildungswissenschaft MA und arbeitet in der Frühkindlichen und der Erwachsen-Bildung. 

Jugend hackt


Wir beleuchten in diesem Blog verschiedene Aspekte von New Work und digitaler Teilhabe. Im Wechsel werden Gastautoren als auch das Team von Digital Mesh zu Wort kommen. Wir freuen uns auf interessante Inhalte, über die wir gerne weiter mit Euch sprechen.

Ein besonderer Dank geht an Microsoft, welche uns in äußerst unbürokratischer Art und Weise unterstützen, diesen 'Content Hub' mit Gedanken zum Digitalen Wandel vor allem unserer Arbeitswelten zu befüllen.

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