4 Minuten mit Rene Sasse

2016-04-12 09:08
von Julia Kottkamp

"Ich wünsche mir deutlich mehr Menschen, die die Digitalisierung wirklich verstehen und leben."

Foto: Attila Erüstün

12.04.2016 - Gemeinsam mit Microsoft konnten wir auf der Social Media Week 2016 einen Abend rund um das Thema
#DigitaleTeilhabe  organisieren. Doch was bedeutet das eigentlich für unsere Gesellschaft? Im Rahmen des Networking-Events haben wir versucht, dieser Frage in zahlreichen Gesprächen auf den Grund zu gehen. Um einzelne Stimmen einzufangen, hat Julia Kottkamp von "40 Stunden" Interviews mit Gästen geführt. Hier ist nun der dritte Beitrag mit Rene Sasse.


Wenn du eine App wärst, was wärst du dann für eine?

Ich wäre ScanBot. 

Wieso die und was kann die?

Die kann scannen. Das heißt ich kann alle Daten, die heute noch auf Papier sind, wie zum Beispiel Rechnungen einscannen und habe sie immer bei mir und muss auch nichts mehr suchen. Diese App vereint alles in einem. So wie ich als Mensch: Ich bin auch digital und analog in einem.

Welche ist die wichtigste App auf deinem Handy?

Also, die Telefon App ist es nicht. Ich würde sagen es ist die Instagram App. Ich liebe es, mir Fotos anzugucken. Ich denke ich mache die zehn Mal am Tag auf und gucke mir über den Tag verteilt mindestens eine halbe Stunde lang Fotos an.

Wie beeinflusst das Internet dein Aufwachen?

Mein Wecker ist schon mal nicht mein Handy. Also schlage ich mal als erstes den Wecker aus, damit ich noch eine viertel Stunde weiterschlafen kann. Mein Handy liegt an meinem Bett, wird da auch geladen, aber auch nur, weil ich einem Kumpel meine Hilfe für seinen Server angeboten habe und er mich jederzeit anrufen kann. Morgens gucke ich da allerdings nicht sofort drauf. Das mache ich meist erst auf dem Weg zur Bahn. Obwohl manchmal gucke ich vorher auf Instagram nach Bildern.

In einem Satz: Was ist Digitalisierung für dich?

Diesen ganzen Quatsch, den wir analog machen, auch digital abbilden können.

Und wodurch verändert das die Welt? Warum ist das so großartig?

Ich finde, das beste Beispiel ist ein Handyticket für die Bahn zu lösen. Was kotzt es mich an, dieses scheiß Stück Papier aus dem Automaten zu ziehen, um es nach der Fahrt in den Mülleimer schmeißen zu müssen. So drücke ich ein paar Knöpfe, sage von da nach da, fertig. Das ist doch mega geil. Das ist Digitalisierung wie ich sie mir wünsche.

Und wenn der Akku leer ist?

Das passiert mir nicht. Es geht der Trend zum Zweithandy bzw. zum 5.000 mA Mobile-Akku.

Was aus deiner Sicht wird niemals digital werden?

Beziehungen. Es gibt heute schon Möglichkeiten auch für digitale Beziehungen. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das, was eben echte Beziehungen zwischen Menschen ausmacht, digital abbilden lassen kann. Du kannst digital sicher vieles entdecken. Aber die Realität wird immer eine andere Qualität an direkter Kommunikation haben. Und das ist auch gut so.

Meine Großeltern leben in einem kleinen Dorf in der Eifel, wo man zur Kirche geht und Kühe noch Spaß am Leben haben. Das Highlight der Woche: Samstags kommt der Milchwagen und bringt neue Butter und Kuchen und Eier. Wodurch unterscheidet sich dieses Leben von unserem digitalen Leben?

Ich würde denken, dass die Damen und Herren dort in der Eifel etwas bodenständiger leben und deutlich konzentrierter auf das Wesentliche sind. Die können auch mal ein Buch lesen und sind vermutlich auch sonst ein wenig entspannter als wir.

Was muss Digitalisierung erreichen, damit du richtig fett grinst?

Ich wünsche mir deutlich mehr Menschen, die die Digitalisierung wirklich verstehen und leben. Es gibt ganz, ganz viele Leute, die das Thema im Moment propagieren, aber ich habe das Gefühl, dass es nur die wenigsten so richtig durchblicken. Schau dir nur die Banken an. Bitter. Falsch-Parken Tickets direkt per E-Mail, das wäre mal was. Daher glaube ich nicht, dass ich zu einem großen Grinsen kommen werde.

Was in deinem Leben wird immer analog bleiben.

Mein Schlüssel zur Wohnung. Und meine Freundin und bald Ehefrau.

Was ist der heißeste Digitalisierungs-Shit in 15 Jahre?

Ey, in 15 Jahren. Das kann sich ja alles schon in einer Minute ändern. Ich bin ein Mensch, der so gut wie gar nicht plant. Obwohl, in 15 Jahren werden wir in selbst fahrenden Autos sitzen, bei denen dann endlich auch die Versicherungsfrage final geklärt ist.

Interview: Julia Kottkamp, 40 Stunden


Rene Sasse

Rene ist Technical Consultant bei IPHH Internet Port Hamburg GmbH. Pragmatiker aus der Generation X, liebt die Fotografie (analog mehr als digital) und organisiert zusammen mit Kristin seit 5 Jahren den Webmontag Hamburg.


Alle Interviews in der Übersicht

Boris Arnold - His & Hers - "Die digitale Welt ist wahnsinnig laut, wahnsinnig schnell und wahnsinnig immer."

Gesa Rasch - NKI Consulting - "Irgendwann haben wir keine Erinnerung mehr an die Welt vor der Digitalisierung."

Rene Sasse - IPHH - "Ich wünsche mir deutlich mehr Menschen, die die Digitalisierung wirklich verstehen und leben."

Diana Heinrichs - Microsoft - "Wenn meine Oma die Technik verstehen würde, das wäre super."

Robert Beddies - betahaus - “Wir verstehen diese Geschwindigkeit nicht.”

Martin Giese - hamburg.de - "Dank der Digitalisierung stellst du fest, dass du nicht alleine auf der Welt bist."

Dr. Katrin Prüfig - Die Medientrainer - "Ich bin über jeden Weg froh, den mir das Internet abnimmt."


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