4 Minuten mit Katrin Prüfig

2016-06-07 09:08
von Julia Kottkamp

"Ich bin über jeden Weg froh, den mir das Internet abnimmt."

Foto: Katja Zimmermann

07.06.2016 - Gemeinsam mit Microsoft konnten wir auf der Social Media Week 2016 einen Abend rund um das Thema
#DigitaleTeilhabe  organisieren. Doch was bedeutet das eigentlich für unsere Gesellschaft? Im Rahmen des Networking-Events haben wir versucht, dieser Frage in zahlreichen Gesprächen auf den Grund zu gehen. Um einzelne Stimmen einzufangen, hat Julia Kottkamp von "40 Stunden" Interviews mit Gästen geführt. Hier ist nun der siebte und letzte Beitrag mit Katrin Prüfig von 'Die Medientrainer'.


Wenn Sie eine Handy App wären, welche wären Sie dann?

Ich wäre eine App, die meinen E-Mail Eingang sortiert und die sehr viel besser als jedes Spamprogramm wissen würde, was ich sowieso nicht lese, was ich später lese und was ich sofort wissen muss. Ich wäre also eine lernende-intelligente-E-Mail-sortier-App. 

Und wenn Sie jetzt auf Ihr Handy schauen: Welche App ist in Ihrem normalen Leben die Wichtigste?

Neben der Zeitanzeige nutze ich am häufigsten die Wetter und Regenradar App – das ist sehr wichtig in einer Stadt wie Hamburg. Aber die relevantesten Apps sind die von Bahn und Lufthansa. Also Logistik Apps, die mir sagen, wie ich von A nach B komme und ob ich mit Verspätungen rechnen muss.

Ab wann spielt am Morgen das Internet in Ihrem Leben eine Rolle?

Nicht vor dem Frühstück. Ich checke erst danach die Nachrichtenlage und lese die ersten Mails. Ich sehe mich da auch ganz klar in der Vorbildrolle. Meine Tochter ist jetzt zehn Jahre alt und hat ihr erstes Handy. Der verantwortungsvolle Umgang damit ist momentan ganz stark Teil des aktuellen Lernprogramms zu Hause. Das Handy liegt schon alleine wegen der Strahlung nicht neben dem Bett und ist auch bei Tisch nicht präsent. Das Handy ist morgens nicht das Erste und abends nicht das Letzte. Und durch mein eigenes Verhalten versuche ich auch, Diskussionen vorzubeugen.

In einem Satz: Was verstehen Sie unter Digitalisierung?

Ich verstehe darunter die Verlagerung von Prozessen, für die man früher aus dem Haus gehen musste, in eine Welt, für die man heute nicht mehr aus dem Haus muss, sondern die man auf dem Bildschirm vor sich hat. Mit Blick auf die Industrie 4.0 sind es ganze Prozessketten, die online überwacht und gemanagt werden. Da ändern sich auch viele Berufsbilder gerade dramatisch.

Aus Ihrer Sicht: Was sind die wirklich guten Seiten an der Digitalisierung?

Ich glaube, es ist die sehr breite Verfügbarkeit von Informationen, Waren und Dienstleistungen im Überblick, im Vergleich und in Wort und Bild und Schrift. Im Grunde macht es das Internet möglich, dass wir uns in kürzerer Zeit über viel mehr Akteure einen Eindruck verschaffen können, als wenn wir hinfahren oder telefonieren müssten. 

Meine Oma ist 78, mein Opa ist 80. Sie leben in einem kleinen Dorf in der Eifel mit 120 Einwohnern und einem Vielfachen an Kühen. Dienstags ist Kirche und samstags kommt das Milchauto. Das was wir hier haben, brauchen wir das wirklich?

Nicht jeder braucht alles. Auf der anderen Seite sehe ich an meinem Vater, der 70 ist, wie aktiv er das Internet nutzt, um zum Beispiel Ausflüge mit den Turnbrüdern und -schwestern zu planen. Ich glaube, dass jeder einen Nutzen vom Internet hätte. Aber natürlich hätte nicht jeder den gleichen Nutzen und vor allem nicht in der gleichen Intensität.

Haben Sie persönlich einen Wunsch an die Digitalisierung?

Ich persönlich profitiere schon extrem von der Digitalisierung. Zum Beispiel beim Thema Einkaufen. Ich war immer ein großer Katalog-Shopper und bin nun ein großer Online-Shopper. Ich bin froh über jeden Weg, den mir das Internet abnimmt, da es mir Zeit spart. Und ganz aktuell hat es mich begeistert, über ein Konzertportal einen Musiker für einen 50. Geburtstag zu buchen. Ich konnte mir 20 Musiker anhören, ich konnte Fotos anschauen und Statements lesen. Wenn es dieses Portal nicht gegeben hätte, hätte es auf diesem Geburtstag keinen Musiker gegeben. Das fand ich toll.

Können Sie erahnen, welcher Trend in 15 Jahren das Thema Digitalisierung beherrschen wird?

Mit der kritischen Brille betrachtet, könnte ich mir vorstellen, dass wir uns dann damit auseinandersetzen, warum wir nicht mehr so viel miteinander interagieren. Ich befürchte, dass wir uns darüber austauschen werden, das jeder nur noch vor diversen Bildschirmen hängt – gerade auch die Kinder. Besonders bei Kindern sehe ich große Probleme, wenn sie bestimmte Fertigkeiten des Miteinanders nicht mehr beherrschen und das noch weitere Kollateralschäden mit sich bringt: Missverständnisse, Vereinsamung, Bewegungsmangel. Diese Gefahren sehe ich. 

Zu guter Letzt: Was in Ihrem Leben wird immer analog bleiben?

Haare föhnen. Fahrradfahren.  Kochen, ganz wichtig. Und mit Familie und Freunden zusammen sein, um gerade allen anderen Versuchungen über Messenger zu kommunizieren zu widerstehen. Das leibhaftige Erleben meiner Freunde und meiner Familie möchte ich immer live und analog haben.

Interview: Julia Kottkamp, 40 Stunden


Dr. Katrin Prüfig

Dr. Katrin Prüfig ist seit 2015 „Certified Media Trainer (SHB)“ und somit eine von nur fünf zertifizierten Medientrainern in Deutschland. Sie hat in Kommunikationswissenschaften promoviert und arbeitet seit fast drei Jahrzehnten als Journalistin, Reporterin und Moderatorin sowie seit 2002 als Kommunikations- und Medientrainerin im In- und Ausland (Afghanistan, Jemen, Tunesien) – und das in drei Sprachen: Deutsch, Englisch und Französisch. Sie ist Gründungs- und Vorstandsmitglied des Bundesverbands der Medientrainer in Deutschland (BMTD) und Dozentin bei der Steinbeis-Hochschule Berlin/German Speakers Association sowie der Business and Information Technology School in Hamburg.

Dr. Katrin Prüfig moderierte bis 2014 die Tagesschau in der ARD und im ARD-Infokanal (Tagesschau 24) und stand für das wöchentliche Wirtschaftsmagazin „markt“ im NDR als Reporterin vor und hinter der Kamera. Im Studio sowie als Reporterin hat sie mehr als 3000 Interviews geführt – mit Staatschefs, Unternehmern, dem Dalai Lama, Notenbankchefs, Wissenschaftlern, Gewerkschaftern, aber auch mit Schauspielern und „ganz normalen Menschen“.

In ihre Kommunikations- und Medientrainings fließen die neuesten Erkenntnisse der Hirnforschung ein, darüber hinaus die von ihr entwickelten „10 Fallschirme für schwierige Gesprächssituationen“. Durch ihr Studium, ihre Ausbildung an der Henri-Nannen-Journalistenschule sowie durch die Tätigkeit in verschiedenen Redaktionen (TV, Radio und Print) hat die erfahrene Trainerin einen fundierten und aktuellen Einblick in die Anforderungen moderner Unternehmens-Kommunikation und der Medien. Für ihre journalistische Arbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet.

Katrin Prüfig moderiert zahlreiche hochkarätige Veranstaltungen wie zuletzt den Berlin Energy Transition Dialogue 2016 (mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel) Tag der Immobilienwirtschaft 2015 (mit Günter Oettinger) und 2014, den SPD-Wirtschaftsgipfel 2015 (mit Sigmar Gabriel und Hannelore Kraft), „Frauen an die Spitze“ (mit Ministerin Johanna Wanka) sowie Zukunftsdialoge und wissenschaftliche Veranstaltungen für Auftraggeber wie BP, Konica-Minolta, Bayer AG und andere.


Alle Interviews in der Übersicht

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Rene Sasse - IPHH - "Ich wünsche mir deutlich mehr Menschen, die die Digitalisierung wirklich verstehen und leben."

Diana Heinrichs - Microsoft - "Wenn meine Oma die Technik verstehen würde, das wäre super."

Robert Beddies - betahaus - “Wir verstehen diese Geschwindigkeit nicht.”

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Dr. Katrin Prüfig - Die Medientrainer - "Ich bin über jeden Weg froh, den mir das Internet abnimmt."


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