4 Minuten mit Gesa Rasch

2016-03-29 09:08
von Julia Kottkamp

"Irgendwann haben wir keine Erinnerung mehr an die Welt vor der Digitalisierung."

Fotos: Attila Erüstün

29.03.2016 - Gemeinsam mit Microsoft konnten wir auf der Social Media Week 2016 einen Abend rund um das Thema
#DigitaleTeilhabe  organisieren. Doch was bedeutet das eigentlich für unsere Gesellschaft? Im Rahmen des Networking-Events haben wir versucht, dieser Frage in zahlreichen Gesprächen auf den Grund zu gehen. Um einzelne Stimmen einzufangen, hat Julia Kottkamp von "40 Stunden" Interviews mit Gästen geführt. Hier ist nun der zweite Beitrag mit Gesa Rasch.


Wenn du eine App wärst, was wärst du dann für eine?

Ich wäre eine App, die Menschen miteinander vernetzt und in Kommunikation bringt – vor allem im Businessbereich. Mir ist bewusst, dass es schon Massen davon gibt. Aber es funktioniert keine so gut, wie eben das Gespräch von Mensch zu Mensch. Vielleicht kommen wir in der Zukunft noch näher digital ran.

Was ist aktuell die wichtigste App auf deinem Handy?

Protonet. Also eine App, um an meine Business-Daten zu kommen.

Wenn du aufwachst, wann ist dann das Internet das erste Mal wichtig?

Ich glaube mein erster Blick fällt direkt aufs Handy, um zu schauen, was sich über Nacht getan hat. Das ist irgendwie irrsinnig, weil ja meistens gar nicht viel passiert ist. Aber man tut es trotzdem.

Ist der Morgen "mit" oder "ohne" Internet besser?

Beides. Im Urlaub ist es super, wenn das Netz aus ist. Aber im Alltag vermisse ich es sofort, wenn ich keinen Zugriff habe.

In einem Satz: Was ist Digitalisierung für dich?

Digitalisierung bedeutet für mich eine nicht geübte Veränderung der Zusammenarbeit von Menschen in Organisationen.

Was ist das Beste an der Digitalisierung?

Für mich ist es die weltweite Kommunikation, die dadurch möglich ist. Man kann an Lebens- und Arbeitswelten teilhaben und das über räumliche Grenzen hinaus.

Was glaubst du, wird die Digitalisierung in der Zukunft leisten?

Ich glaube, dass sich die Begegnungsmöglichkeit zwischen den Menschen noch weiter entwickeln wird. Ich denke da vor allem an die Videotechnologie. Ich fände es spannend, wenn man sich tatsächlich noch viel "realer" begegnen könnte, obwohl Kontinente dazwischen liegen. Im Businessbereich gibt es heute großartige Entwicklungen, es wird darüber hinaus gehen, Teil des privaten Alltags werden und die Technologie wird vor allem auch kostengünstiger. Ich glaube, wir werden in der Zukunft noch mal eine neue Dimension der Qualität von Kommunikation zwischen Menschen erleben.

Was aus deiner Sicht wird niemals digital werden?

Beziehungen. Es gibt heute schon Möglichkeiten auch für digitale Beziehungen. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das, was eben echte Beziehungen zwischen Menschen ausmacht, digital abbilden lassen kann. Du kannst digital sicher vieles entdecken. Aber die Realität wird immer eine andere Qualität an direkter Kommunikation haben. Und das ist auch gut so.

Meine Großeltern leben in einem kleinen Dorf in der Eifel. Da gibt es Kühe, eine Kapelle und dienstags und sonntags kommt ein "Milchauto" und bringt Lebensmittel rum. Die beiden lieben ihre Ruhe. Braucht die Menschheit die Digitalisierung wirklich?

Ich glaube, dass wir sie zum Glücklichsein nicht brauchen. Aber für unser Leben meinen wir, dass wir sie brauchen. Ich finde man darf nicht aus den Augen verlieren, dass die Digitalisierung unser Leben verändert und wir uns den Technologien permanent anpassen. Und gerade wenn wir mit ihnen aufwachsen und sozialisiert werden, erscheinen sie uns irgendwann als normal. Man kann sich einfach nicht mehr vorstellen, wie die Welt ohne diese Technologien sich anfühlt. Im Moment gibt es noch Generationen, die das "Davor" noch kennt. Ich bin gespannt, was es mit den Menschen macht, wenn sich niemand mehr an diese Welt erinnert.

Zum Abschluss ein Blick in die Zukunft: Wofür begeistern wir uns in 15 Jahren, wenn es um Digitalisierung geht?

Für's Beamen... Nein, keine Ahnung. Dann haben wir auf jeden Fall eine komplett andere Welt. Sicher werden die neuesten Entwicklungen wieder mit Kommunikation zu tun haben. Was genau es sein wird, kann ich nicht voraus sagen. Aber es wird sicher etwas sein, was die ältere Generation in Frage stellt.

Interview: Julia Kottkamp, 40 Stunden


Gesa Rasch

Gesa Rasch ist Geschäftsführerin der Hamburger Agentur NKI® Consulting. Ihr Lieblingsthema: die Wirkung neuer Technologien auf Organisationen und die sich verändernde Rolle der Agenturen in Multi-Stakeholder-Projekten.


Alle Interviews in der Übersicht

Boris Arnold - His & Hers - "Die digitale Welt ist wahnsinnig laut, wahnsinnig schnell und wahnsinnig immer."

Gesa Rasch - NKI Consulting - "Irgendwann haben wir keine Erinnerung mehr an die Welt vor der Digitalisierung."

Rene Sasse - IPHH - "Ich wünsche mir deutlich mehr Menschen, die die Digitalisierung wirklich verstehen und leben."

Diana Heinrichs - Microsoft - "Wenn meine Oma die Technik verstehen würde, das wäre super."

Robert Beddies - betahaus - “Wir verstehen diese Geschwindigkeit nicht.”

Martin Giese - hamburg.de - "Dank der Digitalisierung stellst du fest, dass du nicht alleine auf der Welt bist."

Dr. Katrin Prüfig - Die Medientrainer - "Ich bin über jeden Weg froh, den mir das Internet abnimmt."


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