4 Minuten mit Boris Arnold

2016-03-15 09:08
von Julia Kottkamp

"Die digitale Welt ist wahnsinnig laut, wahnsinnig schnell und wahnsinnig immer."

Fotos: Attila Erüstün

15.03.2016 - Gemeinsam mit Microsoft konnten wir auf der Social Media Week 2016 einen Abend rund um das Thema
#DigitaleTeilhabe organisieren. Doch was bedeutet das eigentlich für unsere Gesellschaft? Im Rahmen des Networking-Events haben wir versucht, dieser Frage in zahlreichen Gesprächen auf den Grund zu gehen. Um einzelne Stimmen einzufangen, hat Julia Kottkamp von "40 Stunden" Interviews mit Gästen geführt. Hier ist nun der erste Beitrag mit Boris Arnold.


Wenn du eine App wärst, was wärst du dann für eine?

Ich wäre eine App, die Menschen miteinander verbindet – aber nicht so wie Tinder oder Facebook. Ich möchte Leute miteinander verknüpfen, die in bestimmten Momenten, bestimmte Dinge brauchen. Menschen, die einfach in diesem einen Moment perfekt zusammen passen und sich gegenseitig helfen können. Die App zeigt dir einfach immer den genau Richtigen an.

Was ist die wichtigste App auf deinem Handy?

Tatsächlich "Mail". Ich weiß, es ist albern, weil es eigentlich antik ist, aber bei mir läuft da tatsächlich noch ganz viel drüber. Aber ich mag an Mails, dass sie sequenziell sind und man sie dementsprechend nach und nach abarbeiten kann.

Wie beeinflusst das Internet dein Aufwachen?

Ich hatte eine Zeit, wo der Griff nach dem Handy das Erste nach dem Wachwerden war, schon alleine deshalb, weil mein Handy auch mein Wecker war. Das Erste war Flugmodus ausschalten und checken, was über Nacht passiert ist. Mittlerweile mache ich das nicht mehr, weil ich jetzt einen kleinen Sohn habe und ich einfach die Zeit mit ihm nutzen möchte. Der ruft morgens oder kommt ans Bett und dann geht der Tag viel realer los. Streng genommen mache ich aber parallel Spotify an und es kommt Musik über die Sonos Boxen.

Ein Satz: Was ist Digitalisierung für Dich?

Für mich ist Digitalisierung eine unglaubliche Vereinfachung des Alltags durch Automatismen und durch unsichtbare Dinge.

Und was an der Digitalisierung macht dich wahnsinnig happy?

Ich liebes es einfach, wenn Dinge automatisch funktionieren. Zum Beispiel begeistert es mich total, wie mittlerweile die Spracherkennung funktioniert. Am Anfang habe ich über Siri gelacht und habe mich gefragt, wer zum Teufel das nutzen soll. Aber heute checkt die ja einfach alles. Die macht Musik an, ich kann mein Licht über Siri steuern. Stell dir das vor: rechte Hand Einkaufstüten, links mein Kleiner, wie geil ist das dann, Siri über die Apple Watch zu sagen, sie soll jetzt sofort Licht und Musik anmachen. Ich mag diese Smart Home Entwicklung. Früher hat man Big Data gemacht, heute ist es smart Data. Dinge Intelligent zu machen, begeistert mich. Es macht das Leben für mich einfacher.

Meine Großeltern leben komplett analog. Sind die unglücklicher als wir?

So wie deine Großeltern leben, bedeutet es einfach eine wahnsinnige Entschleunigung im Vergleich zu unserem Leben. Manchmal habe ich auch solch romantisierte Landflucht-Gedanken. Die digitale Welt hier heute ist wahnsinnig laut, wahnsinnig schnell und wahnsinnig immer. Insofern sehe ich in der Digitalisierung auch ein Stück weit die Personifizierung unserer Leistungsgesellschaft. Du bist immer in der Starthocke. Ich kann mir auch aussuchen, wann ich arbeite. Also kann ich im Prinzip auch immer arbeiten. Ich diskutiere das gerade viel mit meiner Frau. Ich denke, man muss sein eigenes Glück sehr stark beobachten.

Was muss aus deiner Sicht die Digitalisierung noch erreichen, damit dein Grinsen noch breiter wird?

Heute nervt es mich manchmal, dass ich überhaupt noch ein Gerät bedienen muss. Vielleicht ist die Zukunft völlig devicelos. Eigentlich wäre es geil, etwas zu haben, was ich nicht mehr in der Hand halten muss, was also quasi immer um mich rum ist. Das fände ich einerseits total toll, aber auch ein bisschen gruselig, weil damit vielleicht auch ein Eingriff in den Körper notwendig ist. Insgesamt glaube ich aber, dass das Internet der Dinge immer konkreter wird. Man benötigt kein einzelnes Gerät mehr. Alles ist vernetzt, jederzeit.

Was glaubst du, wird in deinem Leben so oder so immer analog bleiben?

Auf jeden Fall Liebe. Da geht es um Menschlichkeit, Zuneigung, zusammen sein. Es geht auch um Wärme. Ich bin junger Vater. Da geht nichts drüber, als in echt mit dem Kleinen am Frühstückstisch zu sitzen.

In 15 Jahren: Was ist dann der heißeste Digitalisierungs-Shit?

Gute Frage, aber hey, das geht so schnell, da würde ich mich zu sehr aus dem Fenster lehnen für eine Prognose. Guck mal, als ich 14 oder 15 war hatte ich meinen ersten Rechner. Wir hatten ISDN, Napster war der Wahnsinn, dann kam WLAN. Wenn ich mir überlege, wie lahm das damals alles war und wo wir jetzt stehen. Das wird noch der Hammer. 

Interview: Julia Kottkamp, 40 Stunden



Boris Arnold

Boris Arnold ist ein Digital Native, ein massentauglicher Nerd. Wenn er nicht gerade Menschen und Marken als Stratege und Berater durch den digitalen Kommunikationsdschungel leitet, dann ist er Familienpapa und schreibt darüber mit seiner Frau auf ihrem Familienblog 
His & Hers.


Alle Interviews in der Übersicht

Boris Arnold - His & Hers - "Die digitale Welt ist wahnsinnig laut, wahnsinnig schnell und wahnsinnig immer."

Gesa Rasch - NKI Consulting - "Irgendwann haben wir keine Erinnerung mehr an die Welt vor der Digitalisierung."

Rene Sasse - IPHH - "Ich wünsche mir deutlich mehr Menschen, die die Digitalisierung wirklich verstehen und leben."

Diana Heinrichs - Microsoft - "Wenn meine Oma die Technik verstehen würde, das wäre super."

Robert Beddies - betahaus - “Wir verstehen diese Geschwindigkeit nicht.”

Martin Giese - hamburg.de - "Dank der Digitalisierung stellst du fest, dass du nicht alleine auf der Welt bist."

Dr. Katrin Prüfig - Die Medientrainer - "Ich bin über jeden Weg froh, den mir das Internet abnimmt."


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